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June 3 rd
, 2010

Afghanistan

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Standpunkte

Heute: Die späte Rehabilitation der Susanne Osthoff - Was vor einem Jahr im Irak wirklich geschah


Das aktuelle ARD-Interview mit Susanne Osthoff und dem ARD-Nahost-Korrespondenten Patrick Leclercq vom 8.1.07 ist im Mitschnitt hier abrufbar: www.daserste.de (Sendung vom 8.1.07)


Die Entführung von Susanne Osthoff vor einem Jahr im Irak. Was war das für ein Medienrummel!

Über Wochen wurde sie von ihren Entführern festgehalten. Solidaritätswellen für die Mitbürgerin gingen um in Deutschland. Fast täglich schafften es selbst kleinste Meldungen in die Nachrichtensendungen. Bis sie dann schließlich frei war...

Die Kehrtwendung der deutschen Öffentlichkeit sucht wahrscheinlich seinesgleichen. Wurde vorher noch inständig gehofft, daß Susanne Osthoff endlich wohlbehalten freikäme, war die öffentliche Meinung nun komplett umgeschlagen. Da war zum einen der erste Fernsehauftritt in den Heute-Nachrichten des ZDF, wo sie komplett verschleiert auftrat, daraufhin das Interview in der ARD-Sendung Beckmann, einige Zeit später der Focus-Bericht über Lösegeldfunde bei Frau Osthoff und Unterstellung der Inszenierung dieser Entführung. Der Höhepunkt wurde erreicht mit der Meldung über ihre Rückkehr in den Irak bereits kurze Zeit nach ihrer Entführung. Ja war denn diese Frau nun völlig verrückt geworden?

Es ist erstaunlich, wie eine solche Kehrtwendung in der öffentlichen Meinung aufgrund einzelner aber entscheidender Berichte vonstatten gehen kann. Wie diese Berichte aus heutigem Ermittlungsstand allerdings zu sehen sind und wie falsch sich vieles in der Rückblende darstellt, ist hochinteressant. Hochinteressant vor allem daher, weil sich so einmal mehr ein Bild der Presselandschaft in Deutschland zeichnete, wie es mir persönlich Sorgen macht. Wie aus fragwürdigen Informationen Titelschlagzeilen kreiert werden, wo klar ist, daß diese die Meldung des Tages bedeuten werden. Weiterhin zutiefst verstörend das komplett fehlende Verständnis in der deutschen Öffentlichkeit für eine Frau, die ihre Liebe ausgerechnet an ein arabisches Land verloren hat, anstatt sich um ihre Tochter in Deutschland zu kümmern. Völliges Unverständnis an den Stammtischen.

Daß sie in ihrer Arbeit bis heute unzähligen Menschen direkte Hilfe zukommen läßt und zugleich wertvolle Kulturgüter zu bewahren versuchte, geriet in der Debatte völlig außer Sicht. Offensichtlich tendiert der Wert von Entwicklungshilfe in Kombination mit einer gewissen grundsätzlichen Verschrobenheit einer Frau wie Susanne Osthoff hierzulande gegen Null. Zumindest war sie nicht am Jammern, wie es mit Deutschland bergab geht, während anderswo das Sterben an der Tagesordnung ist.

Ich war erstaunt zu hören, daß Susanne Osthoff gestern am 8.1.07 gemeinsam mit dem sie unterstützenden Patrick Leclercq - dem Nahost-Korrespondenten der ARD - erneut fast genau ein Jahr nach dem ersten Interview in der ARD-Sendung Beckmann eingeladen ist. Wer Antworten zu ihrem Fall sucht und konkret erfahren möchte, wie sehr sich die Berichterstattung der Presse und die öffentliche Meinung von der Realität entfernen können, kann hier die Aufzeichnung der aktuellen Sendung abrufen: www.daserste.de (Sendung vom 8.1.07)


Und hier das Interview kurz nach ihrer Freilassung Anfang 2006: www.daserste.de (Sendung vom 9.1.06)

 

frühere Standpunkte

 

Die Serie "Standpunkte" beschäftigt sich mit aktuellen Ereignissen und Diskussionen, insbesondere zum Thema Afghanistan, die ich an dieser Stelle näher beleuchten will. Seit 2003 bin ich im Rahmen eines kürzlich abgeschlossenen Projektes - dem Aufbau einer Organisation - besonders intensiv mit dem Land Afghanistan in Kontakt und erweiterte meine Erfahrungen mit mehreren Aufenthalten dort. Der letzte, aus dem ich im Herbst 2006 nach einem halben Jahr zurückkehrte, machte mir anhand der Arbeit in aufschlußreichen Positionen in einem Ministerium und beim Staatsrundfunk immer wieder deutlich, was in diesem Land tatsächlich vor sich geht und wie die Menschen und die Dinge, die sie beschäftigen, zu verstehen sind. Das Bild Afghanistans in den deutschen Medien ist für mich daher häufig ein recht unvollständiges. Die Serie "Standpunkte" soll helfen, dieses Bild zu korrigieren.